Stephanie Ritzerfeld-Schulze ist neue evangelische Koordinatorin der Notfallseelsorge
Ein plötzlicher Todesfall, ein schwerer Unfall, die Nachricht vom Tod eines Angehörigen, häusliche oder sexualisierte Gewalttaten sowie Brandereignisse: Es gibt Situationen, in denen sich das Leben von einem Moment auf den anderen verändert. Dann ist in der Stadt und Städteregion Aachen die Notfallseelsorge für Betroffene da. Ihre speziell ausgebildeten Seelsorgerinnen und Seelsorger leisten „Erste Hilfe für die Seele“. Sie kommen unmittelbar an den Ort des Geschehens, hören zu, geben Halt und helfen dabei, die ersten Stunden nach einem belastenden Ereignis zu bewältigen. Gemeinsam getragen wird die Notfallseelsorge vom Evangelischen Kirchenkreis Aachen und dem Bistum Aachen. Deshalb gibt es auch zwei Personen, welche die Arbeit koordinieren: Auf katholischer Seite ist es seit Januar Thilo Esser, neue evangelische Koordinatorin ist seit August Stephanie Ritzerfeld-Schulze.
Evangelische und katholische Koordination ergänzen sich
Koordinatorin der Notfallseelsorge zu sein, das heißt für Stephanie Ritzerfeld-Schulze Einsätze zu planen und strukturieren, Fort- und Weiterbildung sowie Supervision der Mitarbeitenden zu organisieren, Netzwerkarbeit zu leisten und - besonders wichtig - für das mehr als 60 Personen starke Team da zu sein. Es heißt aber auch, selbst in Einsätze zu gehen, wenn keine andere Person verfügbar ist.

„Notfallseelsorge ist meine Leidenschaft, es ist das, woran mein Herz hängt. Ich komme an Einsatzorte, wo Menschen in ihren Gefühlen pur und ungefiltert sind. Diese Gefühle können sehr viele Facetten haben. Wichtig in diesem Moment ist, dass alle Gefühle sein dürfen und müssen um in einen Trauerprozess reinzufinden. Diese Gefühle zu zeigen, bedarf eines großen Vertrauens und ich bin unendlich dankbar, dass mir vorher unbekannte Menschen dieses Vertrauen schenken “, sagt die fast 42-Jährige.
Für ihre neue Tätigkeit bringt Stephanie Ritzerfeld-Schulze eine reichhaltige Kompetenz und Berufserfahrung mit, darunter die Ausbildung zur Arzthelferin, die Arbeit im Sozialdienst eines Altenheims, eine Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement und nicht zuletzt ein abgeschlossenes Studium der Sozialen Arbeit. Neben ihrer hauptamtlichen Tätigkeit in der Notfallseelsorge arbeitet sie mit einem Stellenanteil im Tagespflegehaus Burtscheid des Diakonischen Werks im Kirchenkreis Aachen.
Die Notfallseelsorge koordiniert sie gemeinsam mit Thilo Esser. Stephanie Ritzerfeld-Schulze: "Die Zusammenarbeit mit meinem katholischen Kollegen Dr. Thilo Esser ist für mich sehr bereichernd. Wir sind vom Wesen her sehr unterschiedlich, liegen aber was den Humor angeht voll auf einer Wellenlänge. Unsere Arbeitsweisen sind verschieden, ergänzen sich jedoch hervorragend. Was uns besonders verbindet, ist unser gemeinsames Ziel: Menschen zu begleiten, zu stärken und ihnen in herausfordernden Situationen zur Seite zu stehen. Das gilt sowohl für die ehrenamtlich Mitarbeitenden als auch für die betroffenen Personen in den Einsätzen."
Neuer Ausbildungskurs: Bewerbertag im November
Wer in der Notfallseelsorge ehrenamtlich mitarbeiten möchte, wird zunächst in einem ein Jahr dauernden Kurs ausgebildet. Inhalte sind unter anderem seelsorgerische Kompetenz, Umgang mit Krisensituationen, psychologische und rechtliche Themen, Opferschutz und vieles mehr. Diese Ausbildung hatte auch Stephanie Ritzerfeld-Schulze durchlaufen, bevor sie 2021 offiziell zum Dienst als Notfallseelsorgerin beauftragt wurde und seitdem Dienste übernahm. Diese Schichten dauern immer 24 Stunden und als Richtwert übernehmen die Mitarbeitenden 24 Dienste pro Jahr. Aktuell verfügt die Notfallseelsorge in der Region Aachen über rund 60 Ehrenamtliche, die diese Dienste leisten. So ist gesichert, dass 365 Tage im Jahr ein Notfallseelsorger oder eine Notfallseelsorgerin bereitsteht, wenn sie gebraucht werden.
Jedes Jahr startet ein neuer Ausbildungskurs, so auch wieder Anfang 2027. Gesucht werden dafür Engagierte, die ein christliches Menschenbild authentisch vertreten und sich auf die seelische Not anderer einlassen können. Die Zugehörigkeit zu einer Kirche ist nicht Voraussetzung. Alle Infos dazu gibt es an einem Bewerbertag am Samstag, 21. November.
- Alle Infos zum neuen Ausbildungskurs der Notfallseelsorges, Datum, Voraussetzungen und Bewerbertag
- Mehr über den katholischen Koordinator der Notfallseelsorge Thilo Esser
